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Kommunaler Richtplan liegt vor; Hochwasserschutz: Anpassung im Baureglement

27. Juni 2020
Der Gemeinderat Wollerau legt den kommunalen Richtplan zur öffentlichen Mitwirkung auf; die Mitwirkungsfrist läuft ab 14. August 2020. Aus der laufenden Teilrevision der Ortsplanung soll zudem ein Artikel des Baureglements vorgezogen werden, der den Umgang mit Baulandflächen, welche von künftigen Hochwasserschutz- oder Renaturierungsprojekten tangiert werden, regeln soll. Die Frist läuft hier vom 3. Juli bis 3. August 2020. Weitere Informationen finden sich unter www.wollerau.ch/projekte .

Am 24. Mai 2017 trat der neue kantonale Richtplan in Kraft. Die Gemeinden sind angehalten, die Siedlungsentwicklung verstärkt nach innen zu lenken. Bis 2040 soll die Bevölkerungsdichte in den urbanen und den periurbanen Räumen – zu denen auch Wollerau gehört – um 10 Prozent erhöht werden. Neueinzonungen sind jedoch nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Als Voraussetzung für eine kommunale Nutzungsplanung wird ein kommunaler Richtplan verlangt. Der Richtplan legt als strategisches Instrument die Stossrichtung für die künftige Entwicklung der Gemeinde Wollerau fest. Die Umsetzung erfolgt auf der Basis der Zonenpläne Siedlung und Landschaft sowie des Erschliessungsplans. Mit dem behördenverbindlichen kommunalen Richtplan soll auch eine Abstimmung der kommunal wünschbaren Entwicklung mit den Festlegungen auf kantonaler Richtplanstufe erreicht werden.

Der Gemeinderat hat im November 2017 den Startschuss für den kommunalen Richtplan gegeben und im März 2018 eine Begleitgruppe mit der Erarbeitung beauftragt. Mit einer öffentlichen Orientierung am 29. März 2018 und der nachfolgenden Online-Umfrage wurde die Bevölkerung zur Mitwirkung eingeladen. Die eingegangenen Beiträge wurden zusammen mit weiteren Inputs verarbeitet und sind in den Richtplan eingeflossen, welchen der Gemeinderat an mehreren Sitzungen besprochen und nach der Vorprüfung durch das Amt für Raumentwicklung nun zur öffentlichen Mitwirkung verabschiedet hat. Der kommunale Richtplan Wollerau besteht aus einem Grundlagenbericht, dem Richtplantext und drei Richtplankarten zu den Themen Siedlung, Verkehr und Langsamverkehr. Im Richtplantext werden zu den einzelnen Handlungsfeldern entsprechende Beschlüsse formuliert. Diese Beschlüsse wirken behördenverbindlich und sind bei künftigen Nutzungsplanungsrevisionen zu berücksichtigen.

Der Richtplan definiert Handlungsziele für die Bereiche Siedlung, Verkehr sowie Natur / Landschaft / Erholung. Nachfolgend sind die wichtigsten Themen angeführt.

  • Aufwertung des Dorfkerns von Wollerau

Im Wissen um die Herausforderungen ist es eines der Ziele, das Zentrum von Wollerau als attraktiven Dorfkern zu entwickeln. Der Ortskern soll vor allem auch als Begegnungsort aufgewertet werden. Dazu gehört, dass Plätze und Strassen attraktiv und fussgängerfreundlich gestaltet werden. Im Zentrum soll man sich mit Gütern des täglichen Bedarfs und ergänzenden Angeboten eindecken können.
Ein erster Schritt in Bezug auf dieses Ziel ist bereits angestossen worden. Der Dorfplatz zwischen Restaurant Metzg, Bäckerei Wüst und SOB-Bahnlinie dient heute verschiedenen Interessen. Um die langfristig bestmögliche Lösung zu finden, hat sich die Gemeinde mit angrenzenden Nachbarn, der Busbetriebe Bamert GmbH und der SOB kurzgeschlossen und entschieden, eine Arbeitsgruppe einzusetzen.

  • Innenentwicklung vor weiteren Einzonungen

Der Grundlagenbericht macht deutlich, dass Wollerau aktuell über genügend eingezonte Flächen verfügt. Wollerau soll dennoch wachsen können und die Siedlungsqualität steigern. Die Siedlungsentwicklung findet grundsätzlich innerhalb der bestehenden Bauzone statt. Die Entwicklung von unbebauten Bauzonen und stark unternutzten Flächen soll gefördert werden. Im Hinblick auf die Bauzonenauslastung werden geeignete Massnahmen zur Baulandmobilisierung geprüft. Die Gemeinde will zudem dafür sorgen, dass unbebaute Bauzonen bei einer Bebauung mit einer angemessenen Dichte überbaut werden. Diese Ziele sollen vorab durch Anpassungen im Baureglement erreicht werden.
Konkret soll im Quartier Roos das Gewerbegebiet, auf welchem die Firma FAES steht, von einer Gewerbezone in eine Wohn- und Gewerbezone umgezont werden.

  • Verdichtung in einzelnen Quartieren angedacht

Die Gemeinde Wollerau verzichtet auf eine flächendeckende Siedlungsverdichtung. Dafür soll in vier Quartieren eine mögliche Verdichtung geprüft werden:

  • Bächergässli/Bächerstrasse (Schwyzerstrasse bis Fabrikstrasse)
  • Alte Wollerauerstrasse/Mühlebachquartier (Hergisroos bis Einmündungsbereich Chüngentobelweg)
  • Unterer Teil der Felsenstrasse (Nahbereich Kernzone)
  • Feldmoos/Etzelstrasse

In diesen Gebieten sind insbesondere die planungsrechtlichen Vorgaben (z. B. Bauzonenzuteilung, Nutzungsmasse etc.) auf die örtlichen Interessen und die erwünschte Entwicklung abzustimmen.

  • Preiswerten Wohnraum fördern

Die Förderung des preiswerten Wohnraums ist ein Anliegen, das die Wollerauer Bevölkerung seit längerem beschäftigt. Der kommunale Richtplan definiert nun vier Gebiete, in welchen preiswerter Wohnungsbau geprüft werden soll. Dazu gehören die gemeindeeigenen Flächen der Sportanlage Roos, der Fläche westlich des Schulhauses Riedmatt und am Fritschweg. Auch der durch die Korporation Wollerau geplante Wohnraum an der Felsenstrasse wurde aufgenommen.
Für das Gebiet Fritschweg existiert ein Nutzungsplan. Dieser sieht eine Umzonung von Landwirtschaftsland in eine neu zu schaffende «Wohnzone für preiswerten Wohnungsbau Fritschweg WPF» vor. Diese Umzonung konnte ohne Vorliegen des kommunalen Richtplans nicht an die Hand genommen werden. Mit dem Vorliegen des kommunalen Richtplans konnte der Nutzungsplan nun zur Vorprüfung eingereicht werden.

  • Überdeckung der Westeinfahrt der Autobahn A3 prüfen

Die Entwicklungsstrategie der Gemeinde Wollerau aus dem Jahr 2004 sah erstmals eine Überdeckung der A3 beidseitig des Tunnels Blatt aus Gründen des Lärmschutzes sowie zur Gewinnung von Land vor. Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) erstellte im Jahr 2014 eine Studie zur Mehrfachnutzung von Nationalstrassen, um das Potential für Wohnnutzungen über Nationalstrassen zu eruieren. Aufgrund verschiedener Standortfaktoren wie Bevölkerungsdichte, Beschäftigtendichte, Lage im Gelände, Zonenverträglichkeit und Bau- und Verkehrstechnikfaktoren wurden schweizweit knapp 100 Standorte untersucht. Dabei wurde auch die Autobahnüberdeckung der A3 im Bereich zwischen der SOB-Bahnlinie und dem Tunnel Blatt geprüft und ein Potential gesehen. Aufgrund der untersuchten Standortfaktoren kann eine Doppelnutzung der Autobahn weiter bzw. detaillierter geprüft werden.

  • Kompensation allfälliger Siedlungserweiterungsflächen durch Reduktion des Siedlungsentwicklungsgebiets Junker

Durch die Überdeckung der Autobahn West, die Einzonung im Gebiet Fritschweg und die mögliche Umzonung des Areals FAES wird die Siedlungserweiterungsfläche vergrössert. Aufgrund der bestehenden Reserven kann keine zusätzliche Fläche eingezont werden. Dies bedeutet, dass für die geplanten Flächen nur eine Kompensation in Frage kommt.  Die Ortsplanungskommission ist der Ansicht, dass an den einzelnen Flächen festgehalten werden soll. Die für die vorgesehenen Einzonungen erforderliche Fläche soll prioritär über eine Reduktion des Siedlungsentwicklungsgebietes West (Junker) erfolgen.

  • Verkehrsentlastung des Zentrums bleibt Ziel

Das Zentrum von Wollerau soll vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Durch die Verlegung des Autobahnanschlusses ins Gebiet Öltrotte (Gemeinde Freienbach) sowie dem neuen Zubringersystem Stegackerverbindung wird der Dorfkern von Wollerau vom Verkehr entlastet. Mit der Erstellung der Junkerstrasse und der Stegackerverbindung wird der Dorfkern von Wollerau vom Verkehr entlastet.

  • Verbesserung der OeV-Anbindung im Bereich Erlenstrasse / Altenbach

Im Dezember 2019 hat der Gemeinderat Wollerau die ÖV-Strategie verabschiedet. Dabei stand eine Ergänzung des bestehenden ÖV-Systems im Zentrum. Als zentrale Massnahme soll die Buslinie 175 verlängert werden, um die Erlenstrasse besser ans ÖV-Netz anzuschliessen. Die wegen der Sicherheit stillgelegten Bushaltestellen werden baulich angepasst und wieder bedient. Zusätzlich wird eine neue Bushaltestelle im Bereich Altenbachstrasse erstellt. Der Busverkehr soll mittels Signalanlage im Engnis Blatt priorisiert werden. Zum gegebenen Zeitpunkt soll das Neubaugebiet Altenbach mit einer eigenen Buslinie erschlossen werden.

  • Verbesserung der Fuss- und Veloverbindungen ins Zentrum

Die Wohnquartiere sind besser ans Zentrum anzubinden. Durch eine Verbesserung des Wegenetzes und die Einführung von Velostreifen auf den Kantonsstrassen soll die Anbindung sowie die Sicherheit verbessert werden.

  • Bezug zur Landschaft und zum See stärken

Die Zugänglichkeiten sollen verbessert und die Identifikation gestärkt werden. Es sollen die Naherholungsmöglichkeiten innerhalb der Siedlung und in unmittelbarer Nähe erhalten und entwickelt werden. Mit einer Ergänzung des Wegenetzes sollen diese von der Siedlung aus gut erreichbar sein. Dank Grünflächen und den landwirtschaftlich genutzten Siedlungstrenngürteln soll Wollerau nicht weiter mit den Nachbargemeinden zusammenwachsen.

Öffentliche Mitwirkung ab 14. August 2020

Dem Gemeinderat ist daran gelegen, dass der kommunale Richtplan diskutiert und die Stossrichtung der geplanten dörflichen Entwicklung von der Bevölkerung mitgetragen wird. Deshalb legt er die Unterlagen nun vor, startet aber mit der 60-tägigen Mitwirkungsfrist erst am 14. August 2020. Alle Informationen finden sich unter www.wollerau.ch/projekte, Stichwort «Kommunaler Richtplan».

 

Hochwasserschutz: Anpassung im kommunalen Baureglement

Nach den Unwettern im Sommer 2016 wurde unter Leitung des Bezirks Höfe das Projekt «Hochwasserschutz Krebsbach» in die Wege geleitet. Das Bauprojekt für das Einzugsgebiet der Bäche Krebs-, Sihlegg- und Roosbach auf dem Gemeindegebiet von Wollerau und Feusisberg ist in Erarbeitung. Deutlich wird, dass die vorgeschlagenen Massnahmen nur im Verbund und über die ganze Länge der Bäche Sinn machen. Mit Blick auf einzelne Massnahmen wird auf Privatgrundstücken Land benötigt. Um die Grundeigentümer nicht zu benachteiligen, soll die Nutzung, welche auf den für den Hochwasserschutz benötigten Baulandflächen liegt, auf die Bauparzelle übertragen werden. Eine entsprechende Regelung ist im kommunalen Baureglement zu verankern. Dafür ist eine Teilrevision nötig.

Zur Regelung des Umgangs mit Baulandflächen, welche von künftigen Hochwasserschutz- oder Renaturierungsprojekten tangiert werden, soll die folgende neue Bestimmung im Baureglement eingeführt werden:

Art. 30 Ausnützungsziffer

Abs. 4 Werden durch Gewässerrenaturierungen oder Hochwasserschutzmassnahmen neue Gewässerflächen geschaffen, so kann die verlorengehende Nutzung auf die Bauparzelle übertragen werden. Die Nutzungsübertragung ist im Grundbuch einzutragen.

Der Gemeinderat legt diese Teilrevision des Reglements ab dem 3. Juli 2020 öffentlich auf. Geplant ist, die Teilrevision im Frühling 2021 zur Abstimmung zu bringen. Damit könnte das Hochwasserschutzprojekt «Krebsbach» vorangetrieben werden. Weitere Informationen finden sich unter www.wollerau.ch/projekte, Stichwort «Teilrevision Baureglement».